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 DBT (dialektisch behaviorale Therapie nach M. Linehan)

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syriana

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Anzahl der Beiträge : 26
Anmeldedatum : 16.11.07

BeitragThema: DBT (dialektisch behaviorale Therapie nach M. Linehan)   Mo Nov 19, 2007 7:19 pm

Was ist die DBT (dialektisch-behaviorale Therapie?)

DBT ist eine von Marsha Linehan entwickelte Therapie, die in erster Linie bei suizidalen Boderline Patienten, in der Zwischenzeit aber für viele andere psychische Krankheiten angewendet wird. Diese Therapieform, wurde auf der Basis der Verhaltenstherapie entwickelt. Dabei werden den Betroffenen, überwiegend sind dies Frauen, Fertigkeiten vermittelt, die sie lernen können anzuwenden. Wenn sie beispielsweise in eine Situation kommen, wo sie sich bisher verletzt haben, damit sie dies nun nicht mehr tun. Eines der Ziele der DBT ist der Abbau selbstschädigender Verhaltensweisen. Dazu zählt nicht allein das Selbstverletzende Verhalten (SVV), wie beispielsweise das Schneiden oder Verbrennen der Haut, sondern auch der Umgang mit Suchtmitteln wie Alkohol oder Drogen sowie auch Medikamenten.

DBT wurde zunächst als ambulante Therapieform entwickelt und beinhaltet:

Einzeltherapie
Fertigkeitstraining in der Gruppe
Telefonkontakt im Notfall
regelmäßige Intervision der Therapeuten.

Einzeltherapie

Eine besondere Rolle kommt der therapeutischen Beziehung zu, da Borderlinepatienten mehr als andere zu voreiligen Therapieabbrüchen, Negativismus neigen, insbesondere durch ihre diversen Probleme im emotionalen als auch zwischenmenschlichen Bereich und entsprechendem Mangel an geeigneten Bewältigungsformen. Zwischen den Patienten und Therapeut/Klinik wird Vertrag abgeschlossen. Die Patienten verpflichten sich zur Mitarbeit und Einhaltung von Regeln und Abmachungen, der Therapeut verpflichtet sich zur bestmöglichen Hilfestellung. Der Vertrag wird regelmäßig während der Therapie geprüft und wenn nötig angepasst. Der Therapeut versteht sich als Coach des Patienten und sieht die Therapie als eine Bergtour.

*

Wir stehen am Beginn einer längeren Therapie. Das ist wie vor einer schweren Bergtour und Sie sind wie eine Touristin, die zu einem erfahrenen Bergführer kommt, um ihn zu bitten, auf den Gipfel geführt zu werden. Der Bergführer erläutert die Schwierigkeiten der Tour, die Länge und die Anstrengungen, die auf sie beide warten. Er sei erfahren, meint er, er kenne den Weg, aber er wisse nicht genau, wie das Wetter sich entwickle, wie die Eisverhältnisse seien und was sonst an unvorhergesehen Dingen passieren könne. Er traue Ihnen zu, daß Sie es schaffen könnten, sonst würde er sich nicht mit Ihnen auf den langen Weg machen. Aber, und das schärft er Ihnen ein:Ich kann Sie nicht tragen. Ich werde Ihnen den Weg zeigen, ich werde Ihnen vorangehen, aber laufen müssen sie selbst. Und es wird Momente geben, da werden Sie meinen, keine Kraft mehr zu haben, da wollen Sie verzweifeln und aufgeben. Ich sage es Ihnen lieber gleich - Ich werde das nicht zulassen. Wenn wir zusammen losgehen, kommen wir zusammen an. Martin Bohus, 2002, S. 21-22


*

Die Patienten führen eine Tagebuchkarte, in die Medikamenteneinnahme, Spannungszustände, Drogenkonsum und Selbstschädigende Verhaltensweisen einzutragen sind. Durch Verhaltensanalysen sollen die Betroffenen Einsicht in den Spannungsaufbau erhalten und lernen, das im Fertigkeitstraining Gelernte in ihre Handlungspläne einbauen. Nach Selbstverletzendem Verhalten oder Suizidversuchen werden die Patienten gebeten, solche Analysen selbst anzufertigen. Voraussetzung für die eventuelle Bearbeitung eines Traumas in einem zweiten Therapieabschnitt ist, dass die Patienten gelernt haben, emotionale Krisen, Spannungszustände und Dissoziationen selbst durch die gelernten Fertigkeiten zu regulieren. Die Traumabearbeitung erfolgt durch Techniken aus der kognitiven Verhaltenstherapie.

Fertigkeitstraining in der Gruppe

Das Fertigkeitstraining findet wöchentlich (im Rahmen von 12 bis 20 Sitzungen) statt und besteht aus den vier Modulen

Modul: Achtsamkeit
Modul: Stresstoleranz
Modul: Umgang mit Gefühlen
Modul: Zwischenmenschliche Fertigkeiten

Die Fertigkeiten werden je nach Spannungszustand angewendet.



Telefonkontakt

Patienten können in suizidalen Krisen, oder bevor sie sich selbst verletzen, ihre Therapeuten anrufen. Die telefonische Erreichbarkeit muss mit dem Therapeuten vorher geklärt werden und richtet sich auch nach den Grenzen der Therapeuten. Die Telefongespräche sollen nach bestimmten Regeln ablaufen. Die Patienten berichten, warum sie sich in einer Krise befinden und welche Fertigkeiten sie bereits ausprobiert haben. Therapeut und Patienten besprechen Fertigkeiten, die die Patienten einsetzen sollen. Dazu ist es hilfreich, wenn die Patienten gelernte Fertigkeiten benennen können.

Verletzen sich die Patienten selbst, oder begehen sie einen Suizidversuch, sollte dies nicht durch vermehrte Zuwendung verstärkt werden, was nicht leicht zu realisieren ist. Ziel ist, dass die Patienten im nach hinein Verhaltensanalysen dieser Situationen anfertigen.

Intervision

Die Einzel- und die Gruppen-Therapeuten treffen sich regelmäßig, um sich über die gemeinsamen Patienten auszutauschen und sich gegenseitig zu beraten.

Die 4 Module im Überblick:

1. Modul: Achtsamkeit

Im Modul ‘Innere Achtsamkeit’ lernen die Patienten die Fertigkeiten Wahrnehmen, Beschreiben, Teilnehmen, sowie ein nicht bewertendes, konzentriertes und wirkungsvolles Denken und Handeln. Hier sind unschwer die Zen - Einflüsse zu entdecken. Ziel ist, Bewusstheit im Alltag zu erreichen und mehr Steuerungsmöglichkeiten über sich selbst zu bekommen. Teilnahme und Distanz, Gefühl und Verstand sollen miteinander in Einklang gebracht werden. Hier wird deutlich, dass es sich um Ziele handelt, die nicht nur Borderline - Patienten ein Leben lang beschäftigen können.

2. Modul Stresstoleranz

Im Modul „Stresstoleranz“ lernen die Patienten, Krisen auszuhalten und Spannung zu reduzieren durch Techniken wie: sich durch starke sensorische Reize ablenken (z.B. Eiswürfel), durch verschiedene Techniken „den Augenblick verbessern“, „Pro und Contra“ (welche Argumente sprechen für Selbstverletzendes Verhalten, welche dagegen), Akzeptieren der Realität, Atemübungen, „leichtes Lächeln“ und Achtsamkeitsübungen. Ein weiteres Ziel ist, zu lernen, unangenehme Ereignisse und Gefühle zu ertragen, wenn sich die Situation nicht verändern lässt.

Die Patienten werden angeleitet, sich einen individuellen Notfallkoffer einzurichten, in dem wichtige Utensilien für Stresstoleranz-Fertigkeiten aufbewahrt werden. Kärtchen, auf denen die hilfreichsten Fertigkeiten eingetragen sind, sollten die Patienten bei sich tragen. Die Patienten erhalten ausserdem Formulare, auf denen die gelernten Fertigkeiten eingetragen sind und protokollieren, welche Fertigkeiten sie mit welchen Erfolg geübt haben.

3. Modul: Umgang mit Gefühlen

Im Modul „Umgang mit Gefühlen“ wird vermittelt, dass Gefühle (auch solche, die als unangenehm erlebt werden) eine Funktion und eine Bedeutung haben. Fertigkeiten wie: Beobachten, Beschreiben und Verstehen von Gefühlen, Verwundbarkeit verringern, Schritte in Richtung angenehmer Gefühle tun, emotionales Leiden loslassen und dem Gefühl entgegengesetzt handeln werden besprochen und geübt. Ziel ist, Gefühle in ihren Bedeutungen und Auswirkungen verstehen und akzeptieren zu lernen. Das Vertrauen in die eigene Gefühlswelt soll erhöht werden.

4. Modul: Zwischenmenschliche Fertigkeiten

Im Modul „Zwischenmenschliche Fertigkeiten“ werden die Basisfertigkeiten Orientierung auf ein Ziel, Orientierung auf die Selbstachtung und Orientierung auf die Beziehung vermittelt. Faktoren, die die soziale Kompetenz beeinträchtigen und solche, die sie fördern, werden identifiziert. Förderliche Selbstaussagen werden erarbeitet. Ziel ist, dass Patienten auf eigenen Wünschen, Zielen und Meinungen bestehen können und dabei sowohl von anderen Menschen respektiert werden, als auch die eigene Selbstachtung aufrechterhalten.

Syriana
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